@ Quelle ARD Sportschau / Frank van der Velden

 

Team um Britta Oppelt fährt um Gold
Flaggschiff der Frauen im Schatten der Ruder-Männer

Von Frank van der Velden

Bei den Olympischen Spielen werden bei den Ruder-Wettbewerben wieder alle Augen auf den Deutschland-Achter gerichtet sein. Zu Unrecht: Auch das Flaggschiff der Frauen fährt um Gold.
Wenn am 1. August auf dem Dorney Lake in der Nähe von Eton die ersten olympischen Ruder-Entscheidungen anstehen, wird wieder einmal der Deutschland-Achter im Zentrum des Interesses stehen. Das Boot, besetzt mit acht Modellathleten, ist eine der großen Gold-Hoffnungen und gilt als das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes – als Paradeboot. Zurecht: elf WM-Titel haben die Männer schon eingefahren.

Auch bei Olympischen Spielen gehört der Achter stets zu den Favoriten. Auch in diesem Jahr. Schließlich ist das Boot seit 34 Rennen ungeschlagen. Dennoch gab es seit 1912 nur drei Goldmedaillen zu feiern – die bisher letzte 1988 in Seoul.
Bei Olympia erst einmal besiegt

Wesentlich erfolgreicher und dennoch im Schatten des Achters ist da der Doppelvierer der Frauen unterwegs. Seit 1988 geht das Boot bei Olympischen Spielen ohne Steuerfrau an den Start, und seitdem kamen die Sieger immer aus Deutschland. Einzige Ausnahme: Peking 2008. Da reichte es „nur“ zu Bronze. In London peilen Britta Oppelt, Julia Richter, Carina Bär und Annekatrin Thiele wieder die Goldmedaille an.

„Wir haben uns damit abgefunden, dass der Achter immer im Mittelpunkt steht“, sagt Britta Oppelt. „Durch die jüngsten Erfolges des Bootes bekommt schließlich die gesamte Sportart mehr Aufmerksamkeit“, so die Berlinerin. Dennoch hätten sich die Frauen zwischenzeitlich geärgert, gibt Oppelt zu: „Wir waren zeitweise viel besser und erfolgreicher, dennoch haben alle immer nur auf den Männer-Achter geschaut.“
„Etwas ganz besonderes“

Für Oppelt sind es die dritten Olympischen Spiele. Sie saß auch in Peking im Doppelvierer, als die Chinesinnen der Konkurrenz im Schlussviertel völlig überraschend davon fuhren. „Da haben wir uns sehr gewundert, dass die noch so zulegen konnten“, erinnert sich die 33-Jährige: „Aber am Ende waren wir froh, dass wir vor der Ukraine und hinter Großbritannien als Dritte ins Ziel gekommen sind. Wir haben alles gegeben, mehr war nicht drin“. Vier Jahre zuvor in Athen hatte Oppelt gemeinsam mit Peggy Waleska im Doppelzweier die Silbermedaille geholt.

Oppelt freut sich auf London. „Olympische Spiele sind etwas ganz Besonderes, sie finden ja auch nur alle vier Jahre statt. Die ganze Nation schaut zu und fiebert mit, das ist schon toll. Es ist schön, im Olympischen Dorf mit Sportlern aus aller Welt zusammen zu sein und selbst auch mal andere Sportarten anschauen zu können“, sagt Oppelt.

Knallharte Auslese

Sie ist die älteste und erfahrenste Frau im Boot und hat die Position der Schlagfrau inne. „Die anderen orientieren sich schon ein wenig an mir, und ich gebe meine Erfahrung natürlich auch gerne weiter“, sagt Oppelt, die mit dem Doppelvierer bei der Ruder-WM 2011 in Bled Weltmeisterin wurde. Allerdings mit einer anderen Besatzung. Deshalb verwundert es auch ein wenig, dass Oppelt die Mission Olympia-Gold gemeinsam mit Julia Richter, Carina Bär und Annekatrin Thiele angeht.

Denn statt Bär und Thiele saßen in Bled Tina Manker und Stephanie Schiller im Boot. Doch die Auslese des Bundestrainers Hartmut Buschbacher war knallhart. „Die Priorität im Frauen-Bereich liegt auf dem Doppelvierer. Nun sitzen die aktuell vier besten Einer-Fahrerinnen im Boot“, erklärt Oppelt, die eigentlich gemeinsam mit Thiele für den Doppelzweier vorgesehen war. Durch die kurzfristige und etwas überraschende Maßnahme, die besten Einzelkönner zu nominieren, erhofft sich Buschbacher größere Medaillenchancen. Peking war für den Verband schließlich ein Desaster. Erstmals seit 1956 waren die Ruderer bei Olympischen Spielen ohne Gold geblieben.
Starke Konkurrenten, auch Glück ist gefragt

„Wir wollen in London diese Medaille“, gibt Oppelt als Parole aus. Die Mannschaft sei gut vorbereitet und hoch motiviert. 2011 in Bled stand Oppelt erstmals bei einer WM ganz oben auf dem Treppchen. „Das war schon sehr bewegend“, erinnert sie sich. Nun ist sie auf den Geschmack gekommen.

Neben der Ukraine gelten Großbritannien, die USA, Australien und Neuseeland als die größten Konkurrentinnen des deutschen Bootes. „Natürlich braucht man auch immer ein wenig Glück, aber vielleicht haben wir das ja“, sagt die Schlagfrau. Und der Männer-Achter? „Dem drücken wir natürlich ganz fest die Daumen“, sagt Oppelt.

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